Haindorf

Ansichten aus alten Tagen

Ansichten aus heutiger Zeit

Böhmen

Haindorf

Haindorf - Hejnice

Nicht weit entfernt von Raspenau und Heinersdorf an der Tafelfichte zu Füßen des Isergebirges liegt der bekannte Wallfahrtsort Haindorf. Dieser Gemeinde (Haindorf Nr. 77) entstammt meine Großmutter Julie Neumann, auch geboren als eine Neumann, wobei ganz eindeutig ursprünglich (mindestens bis zum Jahr 1650 zurück) keine Verwandtschaft zu der Familie Neumann in Heinersdorf  a. d. T. besteht. Dieses hainersdorfer Bauerngeschlecht Neumann ist, den Büchern nach, dort für die Hausnummer 77 bis in das Jahr 1660 zurückzuverfolgen bis zu einem Christoph Neumann der möglicherweise aus Raspenau stammt.

Die Wallfahrtskirche von Haindorf wurde nach den Plänen des berühmten Baumeisters Fischer von Erlach erbaut. Das Gnadenbild stammt aus dem 13. Jahrhundert. Hier findet sich auch die Grabstätte der Grafen Clam-Gallas.

Haindorf wurde als einer der schönsten Orte des Isergebirges bezeichnet ursprünglich war es ein Köhlerdorf, das 1917 zur Stadt erhoben wurde.

In seiner “Ortsgeschichte von Haindorf” hat Josef Bennesch (1924) unter anderem auch die Geschichte des Erbgutes Nr. 77 Erbgut ausführlich beschrieben:

“Wir betreten den Ort von Raspenau kommend und gelangen auf dem alten Reichenberger Wallfahrtswege am Fuße des kreuzgeschmückten „Niederbauersberge“ zum „Niederbauer“. Der Hof erhebt sich an einem sanften Abhange des linken Ufers der Wittig, hart an der Einmündung der Auengasse in den Wallfahrtsweg. Er besteht aus dem ebenerdigen Wohnhause mit Kuhstall, ein hochgiebeliger Blockwandbau, welcher gen Osten in neuerer Zeit einen stockhohen Anbau erhalten hat, und einer im Dreieck erbauten, den Hof bildenden Scheuer mit Pferdestallung in nördlicher Richtung. Den Hof überschattet eine mächtige alte Linde. Südöstlich umgibt das Wohnhaus der Obstgarten, aus dessen Schoße eine unversiegbare Quelle guten Trinkwassers entspringt und als Rinnsal der Wittig zueilt. Bis um 1800 stand rechts vom Hofeingange das Gedinghaus Nr. 76, das abgetragen und von einem Sohne des damaligen Besitzers an der heutigen Stelle errichtet wurde. Das Gut umfasste ehedem ein Ausmaß von 60 Joch, zum grössten Teile Wald, und erstreckte sich vom linken Ufer der Wittich südwestwärts entlang der Ortsgrenze, bis an die schwarze Stolpich, stromaufwärts bis zur Einmündung des Haindorfer Weges und von da flureinwärts, grenzend an den Erbgarten Nr. 73, hinab bis wieder ans Ufer der Wittig. Aus dem Gute stammen: Die Bauernwirtschaft Nr. 207, die Feldgarten Nr. 76 und 230, ferner die Häuslerrealitäten Nr. 75, 171, 222, 270,386,297 (Mühle) und 405. Das Anwesen Nr. 77 umfasst heute noch eine Fläche von 21 Hektar 90 Ar 48 Quadratmetern, bestehend aus 2 Hektar 2 Ar 38 Quadratmetern Wiese, 11 Hektar 74 Ar 62 Quadratmeter Acker, 8 Hektar 9 Ar 42 Quadratmeter Wald und 4 Hektar 6 Quadratmeter Gartengrund.

Der erste uns bekannte Besitzer ist Simon Effenberger, 1558 übernimmt das Gut der Sohn . . .

. . .  (es werden für die folgenden Jahr mehrere Besitzwechsel genannt . . .

. . . 1686, am 16. April verkauft Christoph Effenbergers Wittib nebst ihrem Beistande Christoph Blumberger von Raspenau ihr Erbgut, an Christof Krauses Erbgarten oberseits und Christof Reissers Erbgut zu Raspenau unterseits, dem Christopf Neumann (wurde der Niedere genannt) von Raspenau für 150 Schock. M. Bürgen: Georg Neumann und Christof, beide von Raspenau. Beilaß: 2 Zugochsen, 1 Wagen, 1 Pflug, 2 Eggen, 1 Rohrhaken, 2 Ketten, 1 Mist, 1 Heu, 1 Ofengabel, 1 Muthaken, 8 Scheffel Hafer und 2 Viertel Gerste. Ausgedinge für die Verkäuferin: 14 Jahre Herberge, 1 Fleckl Acker an der Scheuer, 1/4 Liter Lein zu säen, 1 Wiesenplanel an der Grenze bis zu der benannten Erle, 1 Grasfleckel an Christof Reiners Rain, 1 Beet im Garten, 1 Apfelbaum, im Schloppen den halben Teil, 1 Kuh, 1 Ziege zum Futter und auf dem Hause 2 Kammern. Schulden: der Kirche zu Haindorf 9fl. 57 Kreuzer 2 Pfg. Martin Augstens Erben: Gregor Lux, Christof Jäckel und Gottfried Augsten, Heinrich Aust und Helena Austin 23 fl. 10 Pfg. und Christof Effenbergers Wittib 121 fl. 52 Kreuzer 4 Pfg.

1707, am 12. Oktober kauft das Erbgut samt Gebäuden zwischen Christof Krauses Erbgarten und Christof Reissers Erbgut in Raspenau für "115 Schock. Der Sohn Hans Neumann

Zeugen Christof Krause und Michel Neumann in Haindorf.

Beilass   2 Stück Zugvieh,  1 Wagen,  1 Pflug und Eiden,  1 Kalbe,  1 Oechsel, 1 Rodhacke, 1Axt, 1 Beil 1 Misthacke und 2 Mistgabeln. Ausgedinge für den Verkäufer: 1 Fleckel Acker um die Scheune, 1 Fleckl Wiese an Christof Krauses Raine, an der Wittig 1 klein Fleckel zum Grasen, 6 Kuchlbeete, 1 Apfelbaum beim Kuchelgarten, den halben Teil von den Früchten und den Rand darunter zum Grasen; 1 Apfelbaum beim Schuppen, 1 Kuh und 1 Ziege frei im Feld zu gehen, und eine Kammer auf dem Haus. (Anna Marie Kraus aus Nr. 73) 1750 ist noch Hans Neumann.

Nach dessen Ableben übernimmt das Erbgut dessen Witwe Anna Maria Neumann, geb. Krause aus Nr. 73. Von dieser übernimmt es der Sohn Josef Neumann, der es im Jahre 1793 seiner Witwe Apolonika Neumann hinterliess, die es 1807, am 3. März, dem Sohn Anton Neumann für 1420 fl. Überlässt. Die Gründe liegen zwischen Franz und Wenzel Effenberger. 1834 übergeht es an den Sohn Anton Neumann. (Gattin Apolonika Augsten aus Nr. 36.)

1858, am 28 Juli, kauft es dessen Sohn Anton Neumann. (Gattin Theresia Scholz aus Raspenau Nr. 19) (Letztere sind die Eltern von Julie Neumann, die bereits an anderer Stelle erwähnt wurde und nach Heinersdorf a. T. 202 heiratete).

1902, am 26. Mai, übernimmt es der Sohn und gegenwärtige Besitzer Franz Neumann (Gattin Julie Nicht aus Schönwald)”

(Das Erbgut blieb bis zur Vertreibung nach 1945 im Besitz der Familie Neumann)

. . . In der Folge werden unter anderem von Bennesch noch die Erbgüter Nr. 73 (später Gastwirtschaft „Zur Sonne“), und Nr. 36 beschrieben, denen Vorfahren in direkter Linie der Familie Neumann entstammen.
 

 

Literatur:

Maria Haindorf, Entstehung und Geschichte des Wallfahrtsortes mit Gebetsanhang, P. Anastas Peer, 1929

Ortsgeschichte von Haindorf, Josef Benesch, Buch und Steindruckerei Franz Riemer, 1924

Sudetendeutsche Heimatgaue, Liebwerda, Haindorf, Weisbach, W. Müller Rüdersdorf, nach 1920

Führer durch das obere Wittigtal, Josef Benesch, Verlag Ferdinand Bergmann, etwa 1930

Gedenkschrift zum Heimatfeste der Stadtgemeinde Haindorf im Isergebirge, Josef Benesch, 1926
 

 

 

Link: Haindorf

Internationales Zentrum
 

[Willkommen] [Heimatbesuch] [Warum] [Familie] [Spuren] [Orte] [Böhmen] [Niederschlesien] [Ostpreussen] [Nordrhein - Westfalen] [Reisen] [Tepl - Teplá] [Gästebuch] [Disclaimer]

zurück